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Scannen - gewusst wie

Allein schon das Platzieren der Vorlage, am Rand der Abtastfläche oder mittig angeordnet, kann das Ergebnis unterschiedlich beeinflussen. Trommelscanner bleiben hier aussen vor.
So ist es sinnvoll, die Vorlage mittig an der oberen Kante anzuordnen. Hierdurch werden die Toleranzen des CCD-Elementes im Randbereich gemindert.

Dass die Scannvorlage zuvor gereinigt wird, sollte beachtet werden. Wellige und/oder rissige Fotos können in einem lauwarmen Wasserbad durchweicht, auch gleichzeitig zur Reinigung mit etwas Spülmittelzusatz nutzbar, und mit anschliessendem Trocknen (Trockenpresse oder durch planes Pressen auf andere Art) oft etwas aufgefrischt werden. Wenn z.B. der Hochglanzeffekt beschädigt war, so kann ein mattes Trocknen das Scannergebnis noch verbessern; keine Schlierenbildung durch Newtonringe.

Vor jedem Scannvorgang sollte die Frage nach der notwendigen Auflösung und dem Verwendungszweck stehen; viel ist hier nicht unbedingt die bessere Wahl. Mehr Pixel bedeuten längere Scannzeiten (Billigscanner) und eine grössere Datenmenge. Die Verdoppelung der Auflösung erzeugt eine viermal so grosse Datei.

Von Fall zu Fall und beim Einsatz von Billigscannern kann es besser sein, eine Vorlage ohne jede Vorabkorrektur in der Scannersoftware einzuscannen. Alle nötigen Korrekturen werden dann ggf. nur im Programm zur Bildbearbeitung vorgenommen.

Beim Einsatz hochwertiger Scanner sollten hingegen alle Möglichkeiten der Scannsoftware genutzt werden.
Mit hochwertigen Scannern werden die Rohdaten von der Scannelektronik meistens mit 36-Bit oder sogar 48-Bit Farbtiefe zur Verfügung gestellt.
Eine Korrektur der normalerweise mit 24-Bit an den Computer übertragenen Daten ist dann nicht so optimal. Dass Hochleistungsscanner die Rohdaten auch mit einer Farbtiefe von 48-Bit an den Computer übertragen können, gehört zum Profibereich.

Hier zu gehört auch, dass "unsaubere Originale" mit geringer Auflösung eingelesen werden. Unsauberkeiten kommen dadurch nicht so stark heraus.

Allgemein gilt für eine Scann-Auflösung:
150 dpi: Laserdrucker / Tintenstrahldrucker
200 dpi: Zeitungsdruck
300 dpi: Offsetdruck

Für die Ausgabe auf hochauflösenden Tintendruckern, speziell auch für Fotodruck, sollte z.B. für ein Foto von 9 x 13 cm ein Wert von 300dpi eingestellt werden. Ohne Tests geht es aber oft nicht!

Strichvorlagen, sogenannte schwarz-weiss Vorlagen, hier sollte mit 1200dpi in s/w gescannt werden.

Für die Texterkennung (OCR) genügen i.d. Regel 600dpi, bei guten Vorlagen geht es auch mit weniger dpi.

Noch ein Beispiel:
Um ein Foto der Grösse 9x13 cm voll auf einem 17 Zoll CRT-Monitor anzeigen zu können, sind 300dpi nötig um die Bildbreite mit 1280ppi zu nutzen.

Viel zu wenig wird daran gedacht, auch weil es nicht möglich ist, zum Scannen immer eine bestimmte Software zu nutzen welche aus Erfahrung die besten Ergebnisse bringt und auf die man sich eingearbeitet hat.

Nutzen Sie ggf. die einem Scanner beiliegende hochwertige Software mit deren Möglichkeiten und verbinden das dann mit der Nachbearbeitung im Programm zur Bildbearbeitung. Hier zeigen sich schnell die Grenzen und Möglichkeiten von Hard- und Software. Die nötige Erfahrung müssen Sie sich selbst erarbeiten. Um diesem Frust entgegen zu wirken, bietet Scannsoftware i.d. Regel oft einen Automatik-Modus. Für den Normalfall mag das oft auch ausreichend sein wenn Sie nicht beeinflussen wollen oder müssen.

Leider ist das bei Billiggeräten nicht ganz einfach, da vielfach bereits im Hintergrund ein ICC-Profil die Originaldaten anpasst und als "sRGB-Bild" abspeichert.
Es muss also eine hochwertige Scannsoftware her die auch der Scanner nutzen kann, oder es kann im Scannertreiber ggf. die automatische Korrektur ausgeschaltet werden.

Digitalkamera

Als Zwischenschritt hier eingefügt:

Eine Parallele zum Scanner ist durchaus vorhanden. Das durch eine Optik fokussierte Licht trifft auf einen CCD- oder CMOS Bildwandler und ein nachgeschalteter Wandlerchip sorgt dann dafür, dass die analogen Bildsignale in ein digitales Abbild gewandelt werden. Siehe dazu auch Digitalkamera
Im Workflow bis zum fertigen Druckergebnis ist das ebenfalls eine (die) erste Stufe im Bearbeitungsprozess.

Beide Geräte in gehobener Qualität und Ausstattung arbeiten i.d.Regel auch mit mehr als 8-Bit Farbtiefe je Kanal. Die Möglichkeit, Milliarden anstelle nur Millionen von Farbnuancen zu erfassen dient allein dem Zweck eine höhere Bit-Farbtiefe zu erfassen.
Mit dem Farbraum hat das nur insofern etwas zu tun, weil dadurch noch feinere Nuancierungen innerhalb eines Farbraumes für die Weiterverarbeitung ohne nennenswerten Qualitätsverlust möglich sind.

Ist zum Profilieren einer Digitalkamera, i.d.Regel eine hochwertige Spiegelreflex im Studioeinsatz, (für ein Massenprodukt erübrigt sich das) kein Testchart eines Scanners greifbar, so kann auf einige Vorlagen die im WWW kostenlos angeboten werden, ausgewichen werden. Das ist hier aber nur als Theorie angemerkt, da für jede nachvollziehbare Kameraeinstellung ein eigenes Profil erforderlich ist. (Soweit die Theorie)

Für die Weiterbearbeitung auf dem Drucker ist zu beachten, dass niemals das Farbmanagement in den Druckereinstellungen der Bildbearbeitungssoftware und gleichzeitig auch im Druckertreiber aktiv sind; siehe dazu auch unter Drucken.
Probieren Sie auch aus was ein besseres Ergebnis bringt.

Weitere, spezielle, Infos zum Kalibrieren und Profilieren sind auch für Scanner als Hintergrund nützlich.

TargetWenn Sie irgendwo auf auf das Wort "Target" stossen und keine weitere Erklärung dazu finden, damit ist ein IT8-Target gemeint (nebenstehendes Bild), wie es zum Herstellen eigener Scannerprofile benötigt wird. Das ist nichts weiter als eine Vorlage nach welcher Ihr Scanner kalibriert werden kann. Oft gehört es zum Lieferung eines Flachbett-Scanners.

Im Normalfall ist dieses Testchart eine IT8.7 Vorlage auf hochwertigem Fotopapier. Es sind bis zu 264 Farbfelder und 24 Graustufen vorhanden.
Für besondere Profilierungen im Profibereich gibt es noch das Testchart »HutchColor« mit insgesamt 528 Farb- und Graufeldern. Diese Vorlage wird auf Fuji-Papier bzw. Fuji-Film belichtet und ist absolute Spitzenqualität. Beide Target-Typen sollten lichtdicht aufbewahrt werden.
Steht Ihnen dieses Hilfsmittel nicht zur Verfügung, gibt es div. Quellen im WWW.

Alternativ, wenn eine Scannsoftware nicht ICC-fähig ist, kann eine RGB-Datei auch in den Scannerfarbraum konvertiert werden. Der Gesamtbereich ist derart komplex, wie Sie an anderen Stellen sicher bereits bemerkt haben, dass ich hier nur Hinweise geben und auf die jeweilige Scannersoftware verweisen kann.
In Verbindung mit z.B. dem Programm Adobe-Photoshop® lassen sich diese vorgenannten RGB-Rohdaten als Profil in Verbindung mit einem Farbraum abspeichern. Leider ist auch eine ältere Programm-Version im Preis noch sehr viel teuerer als "man"oft bereit ist für einen Flachbettscanner zu bezahlen. Der Kreis von Preis und Leistung schliesst sich wieder. Ohne Preis keine Leistung - das zieht sich durch das gesamte Gebiet der digitalen Bildbearbeitung.

Wer heute einen Scanner als billiges Massenprodukt kauft, hat selten gute Software dabei; oft lohnt sich dann der ganze hier beschriebene Aufwand vielleicht nicht (meint man). Erst Scannern ab ca. 300 € liegt vielleicht das Programm "Silverfast" bei. Dann sind auch ICC-Profile und der Abgleich mit einer Referenz kein Problem. Wer wirklich nur ab und zu einmal ein Foto, eine Strich- oder Textvorlage digitalisieren möchte braucht keinen Scanner!
Steht eine gute Digitalkamera zur Verfügung die auch den Nachbereich erfassen kann, ist das i.d.Regel die effektivere Wahl. Ansonsten - siehe Links, selber Profile erstellen.

Die eingestellte Auflösung beim Scannen sollte vom Verwendungszweck bestimmt werden. Eine Zusammenfassung ist unter Auflösung Drucken oder Internet-Monitor zu finden.

Liegt ein Original im Strich-Modus vor, so kann je nach Motiv im 8-Bit Graustufenmodus gescannt werden. Speziell hier kommt auch wieder die Erfahrung ins Spiel nach dem Motto: "keine Regel ohne Ausnahme."

Erwähnt werden soll auch, dass Störungen im Bild bei gerasterten Vorlagen z.B. als Moiré, durch Weichzeichnen bei der EBV gemildert oder ganz entfernt werden kann.
In der EBV-Software wird dann idealerweise der "Gaussche Weichzeichner" oder auch sonstige Filter zum Weichzeichnen eingesetzt. Es muss probiert werden welche Art von Weichzeichner Filter und wie oft er auf ein Motiv angesetzt wird.

Auch manches Scannprogramm bietet eine Entrasterungsfunktion.
Die Originale sollten dann mit möglichst angepasster Auflösung von z.B. 100 lpi für den Zeitungsdruck und z.B. 150 lpi für den Offsetdruck eingegeben werden.
Auch die Neuberechnung eines Bildes, z.B. in der Grösse herunterrechnen, kann ein Moiré tilgen.

Von speziellen Dia-Scannern einmal abgesehen, sind Durchlichteinheiten als Zusatz keine wirkliche Lösung. Erst Flachbett-Scanner ab einer optischen Auflösung von 1200 dpi können ein akzeptables Ergebnis bringen.

Als Behelf und wenn man einen Scanner hat bei dem die eigene Lichtquelle abgeschaltet werden kann, ist auch eine übliche kleine Leuchtplatte als Durchlichteinheit nutzbar.
Die Leuchtplatte wird auf das Dia oder Negativ gelegt und alles mit einem möglichst lichtdichtem Tuch abgedeckt.

Fazit für den Home- (Consumer) Bereich:

Nur für hochwertige Ergebnisse ist eine individuelle Scanner-Profilierung eine unbedingte Vorraussetzung. Aus dieser Sicht sind dann auch die ggf. mitgelieferten ICC-Profile quasi unbrauchbar. Warum sie dann trotzdem dabei sind, das wissen wohl nur die Hersteller selbst. Vielleicht als Verkaufs- und Werbeargument?

- hs -

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Letzte Änderung: 04/07/2010 - 15:51 Uhr